Am Mittwoch den 14. März 2018 veranstaltete die Geschichts-AG unter Leitung von Geschichtslehrer Andreas Kühn unsere diesjährige Zeitzeugen-Veranstaltung zum Thema „Leben in der ehemaligen DDR“. Hierbei kamen Hartwig Kluge und Dr. Konrad Staiger zu uns an die Schule und erzählten uns über ihr Leben in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Die DDR, ein Staat, der eher eine „realsozialistische Diktatur“ war, wurde am 7. Oktober 1949 geründet. Fast 12 Jahre später am 13. August 1961 wurde dann die Grenze zur Bundesrepublik (BRD) geschlossen. Diese Grenze wurde dann in den darauffolgenden Jahren mit der teilweise heute noch sichtbaren 370 cm hohen Mauer, einem Graben, einer weiteren Mauer, einem Zaun, äußerst vielen Minen und 60 cm hohen unmenschlichen Selbstschussanlagen befestigt. Durch diese Mauer wurden Familien und Freunde getrennt. Deutschland war gespalten.

Durch diese Befestigung, die noch dazu Tag und Nacht bewacht wurde, war es eigentlich unmöglich zu entkommen. Doch war dies nicht das einzige Problem der DDR. So waren zu Höchstzeiten ca. 1,3 % des Volkes STASI-Mitarbeiter/IM-Mitarbeiter (IM waren „inoffizielle Mitarbeiter“, also Spitzel). Diese waren nichts Anderes als Spione, die sich unter das Volk mischten. Wenn die STASI demnach einen Verdacht auf Fluchtversuch oder gar andere Straftaten hatte, so wurde die verdächtige Person gefangen genommen. Oder falls herausgefunden wurde, dass man sein Leben zu westlich führte, z.B. West-Fernsehen sah, wurde man nicht in einer Universität angenommen. Diese Spionage begann schon im Kindergarten mit der einfachen Frage, ob die Uhr im Fernsehen Punkte oder Striche hat. Denn hatten die Ziffernblöcke Striche, schauten die Eltern Westfernsehen; so denunzierten die Kinder unwissentlich ihre Eltern zugunsten der Staatssicherheit. Akzeptabel war hingegen die Uhr der Ostnachrichtensendung, die mit Punkten ausgestattet war.

Da Herr Hartwig Kluge sein Leben betont westlich gestaltete, hatte er natürlich auch immer wieder mit der STASI (Ministerium für Staatssicherheit/Geheimpolizei) zu tun. So durfte er kein Studium antreten, da er sich mit einem Freund regelmäßig über das West-Fernsehen unterhielt. Durch weitere „Vergehen“ war er irgendwann dazu gezwungen, die Flucht zu ergreifen, um endlich in die Freiheit zu kommen und der sozialistischen Staatsdoktrin zu entkommen. So plante er mit fingierten Ansichtskarten mit ein paar befreundeten Ungarn, seine Flucht in den Westen. Seinen Eltern sagte er, dass er Silvester bei seinen Freunden verbringen würde, doch tatsächlich machte er sich mit einem Rucksack und genügend Geld auf den Weg zu einem ungarischen Grenzdorf. Als er in der Nacht zum 3. Januar 1969 endlich dort ankam, wurde er kurz vor dem Treffpunkt von einem Grenzsoldaten der ungarischen Armee abgefangen. Er wurde anschließend inhaftiert, verbrachte zwei Monate in einer ungarischen Zelle und kam dann per Flugzeug zurück in die DDR, um genau zu sein in das berüchtigte Zuchthaus „Roter Ochsen“. Dort sollte er das nächste Jahr seines Lebens verbringen. Doch er hatte Glück und wurde nach eben dieser Zeit hinter Gittern von der BRD freigekauft.

Herr Dr. Konrad Staiger hatte ähnliche Probleme, wollte sie allerdings anders und vor allen Dingen legal beseitigen, so entschied er sich dafür, einen Ausreiseantrag zu beantragen, was Mitte der 80er tatsächlich möglich war. Auf die Antwort musste er allerdings zwar Jahre warten, konnte aber dann ohne Umwege mit seiner Familie in die BRD ausreisen.

„Ihr habt heute alle Möglichkeiten der Welt offen.   

Versucht diese Freiheit, die nicht unbedingt selbstverständlich ist, zu nutzen.                                                            

Ich wünsche euch das Glück der Freiheit und des Reisens.“

Hartwig Kluge

Fragen der SchülerInnen an Herrn Hartwig Kluge:

Wie war es damals in einem Zuchthaus?

Es wurde ziemlich oft kontrolliert, mit Sicherheit alle 20 min. Dies passierte dann durch den Spion in der Zellentür. Die Wärter waren äußerst streng, so wurde man zB. angeschrien, wenn man sportlich betätigte.

Aber das schlimme war eher der wenige Schlaf und natürlich die Unwissenheit der Eltern, wo man sich gerade befindet und vor allem ob man noch am Leben war.

Wie viel zahlte die BRD für den Freikauf eines Insassen?

Ich als ungelehrter Abiturient kostete ca. 40 000 DM, sprich 12 000 EUR.

Hat es sich gelohnt den Fluchtversuch zu wagen?

Ja, ich habe es nie bereut. Zwar hatte meine Familie Probleme, doch hat die Geschichte uns recht gegeben.

Fragen der SchülerInnen an Herrn Dr. Konrad Staiger:

Wie empfanden Sie den Mauerfall?

Ich habe es erlebt, da hatte ich schon meine erste Arbeitsstelle. Ich wollte es erst gar nicht glauben. Wir hatten damals, als wir noch festgehalten wurden, gar nicht daran gedacht, dass die Mauer jemals fallen würde, denn ich kann mich noch genau daran erinnern, was für Sorgen ich um die Zukunft meiner Kinder hatte, wenn wir nicht bald in den Westen kommen würden.

Waren Sie überrascht, dass genau diese Leute sie bespitzelt haben?

Man hatte es schon so im Hintergedanken, da man ja wusste, dass es äußerst viele Spitzel im Volk gab und vor allem nachdem mein Nachbar meinen Sohn bequatschte, dass er sich doch von der Familie trennen sollte und hierbleiben müsse, war es eigentlich klar, dass zumindest er dazugehörte.