Im Rahmen der Schülerakademie Kunst fuhr unser Leistungskurs am Freitag nach Baden-Baden. Natürlich warfen wir auch einen Blick auf die Gemälde und Grafiken der BRÜCKE-Künstler. Aber der eigentliche Anlass für die kurzfristig geplante Exkursion war die Stippvisite eines Werkes, das im Herbst zu einer unverhofften Prominenz auf dem Kunstmarkt kam: ein Bild des Street Art Künstlers BANKSY. Nachdem es bei Sotherby`s für 1,2 Millionen Euro den Zuschlag bekommen hatte, fing es an sich selbst zu zerstören. Der eingebaute Shredder leistete aber nicht ganze Arbeit: nach der Hälfte blieb er stehen! Selbstverständlich hatte die europäische Sammlerin, die das Höchstgebot abgegeben hatte, Gelegenheit vom Kauf zurückzutreten. Aber nun wollte sie das Werk es recht behalten! Denn dieses Ereignis verhalf dem Gemälde innerhalb von Banksys Gesamtwerk zu einem ganz besonderen Stellenwert:

obwohl er das Motiv mit dem Mädchen und dem Ballon häufig variiert hatte, war plötzlich etwas Einmaliges entstanden: gedacht als Kritik an den Höhenflügen des Kunstmarktes (ein Picasso wurde letztes Jahr für 179 Millionen Dollar verkauft!), feuert der Hype um dieses Bild die Bekanntheit und damit den Wert erst recht an.

Und im Frieder Burda Museum ist dieses Gemälde für die Dauer von zwei Wochen nun erstmals in Deutschland zu sehen.

In der Kunstgeschichte gab es immer wieder Werke, die vergänglich waren. Ob eine Maschine von Jean Tinguely, die sich selbst zerstörte, eine Zeichnung von de Kooning, die Robert Rauschenberg ausradierte, um sich von seinem Vorbild zu lösen oder die Radierung einer weitgehend unbekannten Künstlerin aus Niedersachsen, die Arnulf Rainer übermalte: all die Werke waren - aus unterschiedlichen Beweggründen – danach verschwunden.

Ausgerüstet mit einem heliumgefüllten Herzballon machten wir uns auf den Weg. Leider durften wir die Szene vor dem Gemälde nicht nachspielen: musste der Ballon doch draußen bleiben!

Nichtsdestotrotz haben wir uns alle vor dem Bild versammelt und hinterfragt, wie ein Bild zu seiner Aura kommt. War diese früher häufig an die Persönlichkeit des Künstlers geknüpft (Banksy ist dagegen anonym), wird im digitalen Zeitalter Kunst als Ereignis vielfältig dokumentiert und in Windeseile um die ganze Welt transportiert. So erlangt die von Andy Warhol aufgestellte These vom Berühmtsein für einen Augenblick heute eine neue Dimension im Sinne der Art der Wahrnehmung, der Wertigkeit und der Berühmtheit auf Zeit.