Es war ein besonderer Anlass für die von der Organisatorin Marie Bode und ihrem Begleiter Thomas Lang betreute Schülergruppe des Gymnasiums, dieses Schuljahr ihre Partnerschule zu besuchen, wo sie – wie jedes Jahr - ihre Austauschpartner schon gespannt erwarteten.

Aber bis es so weit war, mussten noch 700 km Busfahrt bewältigt werden. Damit es den Schülern und Schülerinnen dabei nicht zu langweilig wurde, war in Reims ein längerer Busstop vorgesehen, der es ermöglichte, den Austauschteilnehmern die geschichtsträchtige Stadt mit ihrer beeindruckenden Kathedrale näher zu bringen: Es begann mit dem zerstörerischen Beschuss der Stadt und der Kathedrale während des 1. Weltkrieges, dem 1962 glücklicherweise eine Versöhnungsmesse in der Kathedrale mit der Teilnahme des damaligen Bundeskanzlers Adenauer und des französischen Staatspräsidenten De Gaulle folgte, mit dem allseits bekannten Ergebnis des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages 1963 in Paris, der unter anderem auch die Grundlage bildete für die heutigen zahlreichen Schüleraustausche und sonstigen Partnerschaften von Städten. Dieser notwendige binationale und europäische Schritt der beiden Länder wurde dann nochmals in dieser Stadt 2012 mit einer Friedensmesse in Anwesenheit der Regierungchefs Hollande und Merkel gewürdigt.

Am Ende der Reise stand dann wie immer die herzliche Aufnahme der deutschen Schüler durch ihre Gastfamilien. Man konnte sofort feststellen, dass die „Chemie“ zwischen den Austauschpaaren gleich stimmte. Dass dies so blieb, war auch dem gut zusammengestellten Programm der Organisatorin auf französischer Seite, Marie-Anne Cauvin, zu verdanken. So konnten die Schüler bei ihren Ausflügen die landschaftlichen und kulturellen Attraktionen der Normandie genießen; denn auch das Wetter spielte meistens mit, bis auf den ersten Ausflugstag in die malerische Küstenstadt Etretat mit ihren weltkannten Kreidefelsen, wo aber gelegentlicher Regenschauer und peitschender Wind das manch-mal raue Klima am Atlantik gut widerspiegelte. Eindeutiger Höhepunkt war die Besichtigung der ins Meer vorgelagerten und zum Weltkulturerbe ernannten Insel Mont Saint Michel an der Grenze zur Bretagne. Die Schüler konnten bei einer bei Ebbe unternommenen Wattwanderung erfahren, wie schwierig es im Mittelalter gewesen sein musste, sich dieses sonst von Wassermassen geschützen Kleinodes zu bemächtigen. Selbst den Engländern im Hundertjährigen Krieg widerstand die ehemalige bis zur Französischen Revolution von Benediktinern bewohnte Klosteranlage. Diese sollten erst 1966 zurückkehren und erinnern den inzwischen vom Tourismus überlagerten Ort somit etwas an seine alte Vergangenheit als Pilgerort, wozu auch die neue die Gezeiten nicht mehr störende Zufahrt zu zählen ist. Den Schlussakzent bildete das nahe gelegene Seineufer kurz vor dem Großhafen Le Havre, wo die Schüler im ‚Marais-Vernier-Gebiet‘ die typischen reetgedeckten Häuschen mit den hübschen Schwertlilien-Giebeln entdecken konnten. Natürlich gab es eine Menge anderer Aktivitäten wie die Stadtrallye oder Bogenschießen im Sportunterricht, wozu noch die vielfältigen Freizeitangebote der Gastfamilien am freien Wochenende mit erwähnt werden müssen. So waren manche Schüler mit ihren Familien in einem Kletter- oder dem Freizeitpark „Asterix“ in der Nähe von Paris, andere wiederum direkt in der französischen Hauptstadt.

Nicht fehlen durfte der gemeinsame Festabend mit Eltern, Austauschschülern und den verantwortlichen Lehrern, der dieses Jahr ganz unter dem Zeichen des 20-jährigen Bestehens der Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium Achern und der ‚Groupe scolaire Saint Ouen‘ in Pont-Audemer stand. Entsprechend würdigte der neue französische Schulleiter, Monsieur Calonne, unter Anwesenheit des ehemaligen und die Partnerschaft langjährig unterstützenden Direktors, Monsieur Legendre, die von vielen Kräften getragene Partneschaft. Er dankte den ebenfalls anwesenden damaligen Initiatoren dieses Austausches, Guillemette Moign von französischer und Thomas Lang von deutscher Seite, und vergaß auch nicht das beiderseitige Engagement der in hohem Maße sich in das Abenteuer „Austausch“ einbringenden Eltern und Schülern. Nachdem die beiden Begleitlehrer, Marie Bode und Thomas Lang, in ihrer Antwortrede ebenfalls viel Lob für die von französischer Seite unternommenen Anstrengungen, die ganz im Sinne der deutsch-französische Freundschaft als Grundlage eines sich nach den vorausgegangenen mörderischen Konflikten herausgebildeten friedlichen Europas stehen, ausgesprochen hatten, betraten die Hauptpersonen die Bühne: Die französischen Schüler hatten einen in Frankreich bekannten Rap so „umgebastelt“, dass daraus eine Aufforderung an die französischen Jugendlichen wurde, mit Mut die deutsche Sprache zu praktizieren und somit die deutsch-französische Freundschaft zwischen den inzwischen grenzfreien Ländern mit Leben zu erfüllen. Danach definierte jeder deutsche Partner sein bereits vom Aufenthalt in der Gastfamilie geprägtes persönliches Verständnis von „Austausch“. So war es nicht überraschend, dass man das typische französische, oft nicht enden wollende Essen erwähnte oder feststellte, dass in Frankreich die Betten irgendwie kürzer als zu Hause sind. Aber auch die besonders herzliche Aufnahme in der neuen (Gast-)Familie beeindruckte die deutschen Schüler. Angenehm überrascht waren sie auch über den späten Schulbeginn nach 8 Uhr morgens, allerdings fand dann der – außer Mittwoch – tägliche Nachmittagsunterricht weniger Gefallen. Leider war nach acht Tagen Aufenthalt der Abreisetag viel zu schnell gekommen. So lag für manche etwas Wehmut in der Luft, aber der kleine in Paris eingelegte Zwischenstopp versöhnte dann doch die meisten wieder mit ihrem „Schicksal“: Schließlich gab es dort den Eiffelturm und weitere berühmte, sonst nur aus Abbildungen in den Lehrbüchern bekannte Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten „live“ zu erleben.

Im Dezember erfolgt dann der von allen Schülern mit Vorfreude und Spannung erwartete Gegenbesuch in Achern, das die französischen Freunde mit dem besonderen Leben in der deutschen Vorweihnachtszeit bekannt machen wird.

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