Nachdem auch die beiden Morgenmuffel verspätet in Berlin ankamen, eröffneten wir unseren Berlintrip feierlich mit einem Stadtrundgang, geführt von unserem Tutor und echtem Berliner André Wenzel. Den ersten Abend ließen wir in gemeinsamer Runde bei einem indischen Abendessen in einem gemütlichen Restaurant nach Herrn Wenzels Empfehlung und anschließendem individuellen Programm ausklingen. Die Tatsache, dass das Frühstück - die wichtigste Mahlzeit am Tag - unter lautem Protest zu einer unchristlichen Zeit, 7:30 Uhr, stattfand, wurde am Folgetag durch die Aussicht auf den freien Nachmittag besänftigt. Vor diesem wurden wir vertraut mit dem schrecklichen Leben in Gefangenschaft gemacht, indem wir an einer Führung durch das alte Staatssicherheitsgefängnis Hohenschönhausen teilnahmen. Obwohl uns nur ein paar Jahrzehnte von dieser Vergangenheit trennen, konnten wir beim Eintauchen in die damalige Wirklichkeit nicht fassen, dass es einen solch unmenschlichen Umgang einmal gegeben hat. Mit der Entschlossenheit, eine solche Barbarei nie wieder zuzulassen und sie als Lehre sowie Ansporn zu sehen, wuchs auch unsere Dankbarkeit, im heutigen Deutschland zu leben. Nachmittags fand sich eine Schülergruppe mit Herr Wenzel in dem Atelier ein, auf welchem Boden er früher bereits seine Kreativität auslebte.

Herr Reinke und seine Frau Schwelgin zeigten uns einige ihrer Kunstwerke, welche mich persönlich tief inspirierten. Doch was lösten die Malereien bei mir aus? Die Kunstwerke mit dem Motiv des brechenden Wassers weckten in mir ambivalente Gefühle. Zum einen waren die Bilder düster und fast schon beängstigend, andererseits aber auch belebend und voller Energie. Zudem benötigte es manchmal einen zweiten Blick auf die Malerei, um das Geschehen als Ganzes zu erfassen. Aber nicht nur die Kunstwerke waren bereichernd, sondern auch das lange und schöne Ateliergespräch mit Herrn Reinke und Frau Schwelgin, welche beide reich an Erfahrungen - sowohl in der Kunst, als auch im Leben - sind und diese mit uns teilten. Alles in allem war es zweifellos ein Nachmittag, der uns bereicherte. Und zwar beidseitig, denn wir durften ihnen die moderne Welt des Handys und dessen Nutzbarkeit für Kunst näher bringen.

Nachdem unser Kunstzug - mehr oder minder im Wachzustand - die antike Schönheit der Kunst auf unterschiedlichste Weise erkundet hat, hielten wir diesen glorreichen Besuch auf einem Gruppenfoto fest. Einen weiteren Höhepunkt des Tages stellte der Eintritt in den Bundestag inklusive Vorlesung dar. Besonders die Architektur sowie die Berliner Skyline hinterließen einen bleibenden Eindruck auf uns. Das Dach des Bundestags stellte nicht nur eine ideale Fotokulisse, sondern auch das perfekte Plätzchen für einen Powernap des einen oder anderen Mitschülers ( Liebe Grüße an die Schlafmütze ;) ) unter wolkenklarem Himmel dar.

Der Abend offenbarte uns für diesen Tag ein kulturelles und letztes Highlight, als wir uns zu einem klassischen Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche einfanden. Die Künstler gaben alles, um den Zuhörer in eine andere Welt zu zaubern - was ihnen ohne Zweifel gelang.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit viel Freizeit. Außerdem erkundeten wir Potsdam zu Fuß, wobei wir auch das eindrucksvolle Schloss Sanssouci in seiner vollen Pracht auf uns wirken ließen. Dabei gab es einiges an Natur, als auch an Architektur zu bestaunen. Das Museum „Hamburger Bahnhof“ in Nolde stieß bei uns auf große Begeisterung. Wir waren Teil einer mal ganz anderen Begegnung mit Kunst. Jetzt war es an uns, zu entscheiden, welches Kunstwerk seine Bezeichnung als solches verdient. So wurden wir zu Richtern nach dem Motto

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“, was zu inspirierenden Gesprächen führte. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge begrüßten wir nach dem Frühstück - immer noch viel zu früh - mit einem Besuch in das Naturkundemuseum unseren letzten Tag auf Studienfahrt. Als wir schließlich, vollbepackt mit neuen Erfahrungen und schönen Momenten sowie so mancher Shoppingeroberung, auf unseren Zug Richtung Heimat warteten, war uns klar, dass wir diese viereinhalb Tage so schnell nicht vergessen werden!

  • Berlin01
  • Berlin02
  • Berlin03
  • Berlin04
  • Berlin05
  • Berlin06
  • Berlin07
  • Berlin08
  • Berlin09
  • Berlin10
  • Berlin11
  • Berlin12
  • Berlin13
  • Berlin14
  • Berlin15
  • Berlin16
  • Berlin17

Simple Image Gallery Extended