Nach einem angenehmen Flug wurden wir sehr herzlich von unseren Freunden am Flughafen in Moskau empfangen und später auch in den einzelnen Familien herzlich willkommen geheißen. Am nächsten Morgen begann unsere erste Schulwoche an einer russischen Schule. Wir hatten in der Schule einen Raum zugewiesen bekommen, in dem wir unsere Schuhe wechseln konnten. Zwar waren wir von der Kleiderordnung in der Schule ausgenommen und durften auch Jeans tragen, aber auch wir trugen in der Schule keine Straßenschuhe. Nach einem kurzen Austausch: - “Im wievielten Stock wohnt Ihr?“ “Wir wohnen im 13. Stock.” ”Wir im 16.!” - wurden wir in feierlicher Runde von den russischen Lehrkräften und dem Schulleiter des Gymnasiums begrüßt. In engerer Runde stellten sich dann die Austauschpaare vor. Jedes Paar durfte eine Frage ziehen, die in der eigenen Sprache vorgelesen und in der anderen beantwortet wurden. Wir beendeten den Vormittag mit dem Besuch des russischen Schulunterrichts. 

Auch die weiteren Tage besuchten wir morgens mit unseren Austauschpartnern den Unterricht. Es war sehr spannend zu sehen, dass der russische Unterricht ganz anders abläuft, als wir es von zuhause gewohnt sind. So lernen die russischen Schüler z.B. in Mathematik viele Formeln auswendig und wenden diese dann in komplizierten Umformungen an. Überhaupt wurde viel mehr auswendig gelernt als in den deutschen Schulen: Gedichte im Russischunterricht, Formeln in den Naturwissenschaften. Einen Praktikumsraum wie wir ihn kennen, gab es aber nicht. Der Unterricht war für uns sehr anstrengend, manche konnten leicht folgen, weil sie sehr gut russisch können, andere jedoch können noch nicht gut russisch. Aber selbst jene, welche die russische Sprache gar nicht kennen, hatten hier vor Ort gelernt, in kyrillischer Schrift geschriebene Wörter zu entziffern und staunten darüber, dass sie wider Erwarten doch etwas im Unterricht verstanden hatten.  

Aber es gab noch mehr Ungewohntes: die Schule hatte zwei Sporthallen, beide befanden sich im zweiten Stockwerk des Schulgebäudes. Natürlich waren diese dann auch dann viel kleiner als die Sporthalle unserer Schule, dafür hatte die Schule auch eine Aula mit Theaterbühne - ebenfalls ins Schulgebäude integriert. Am Freitag feierte die ganze Schulgemeinschaft den Lehrertag. Dafür stand die ganze Schule Kopf. Die Lehrer wurden von allen Seiten beglückwünscht und es gab lauter kleine Geschenke, so dass an diesem Tag jeder Lehrer mit einem Arm voll Blumen und Schokolade nach Hause ging. Davor aber wurde der Lehrertag ausgiebig in der Schule gefeiert. Zunächst gab es eine Klassenlehrerstunde, in der die Schüler und Schülerinnen wiederum den Lehrern gratulierten und ihnen ihren Dank aussprachen. Sie wünschten ihren Lehrkräften auch für die Zukunft viel Geduld und Spaß am Unterrichten. Manche Klassen hatten dann auch kleine Spiele vorbereitet, so dass alle viel Spaß an diesem Tag hatten. Während nun für die Schülerinnen und Schüler der Unterricht normal weiter ging, wurden ein Teil der Lehrer in der Caféteria der Schule von Eltern und Schülern mit Kaffee, Tee und süßen Stückchen verwöhnt, während einige besonders talentierte Schülerinnen und Schüler ein Lied sangen oder einen beeindruckenden Tanz vorführten. Der Rest der Lehrer kam in einer späteren Stunde in den gleichen Genuss. Höhepunkt des Tages war eine zweistündige Aufführung am Nachmittag in der Aula der Schule, in der viele Schülerinnen und Schüler im Chor, als Tänzer, Sänger oder sonstige Virtuosen auftraten, aber auch alle Lehrkräfte hatten es sich nicht nehmen lassen, an dieser Veranstaltung mitzuwirken und einen gemeinsamen Tanz präsentiert. Immer wieder wurden auch Filmsequenzen angespielt, in denen sich Schülerinnen und Schüler der ganzen Schule bei allen Lehrkräften herzlich bedankten. Schließlich wurde ein Film gezeigt, der erst am Vormittag gedreht wurde, auf diesem waren auch unsere Lehrerinnen beim Verwöhnkaffee am Vormittag zu sehen.  
Für alle Schulmitglieder war dieser Tag gleichzeitig der Ferienstart. Allerdings sind auch die Ferien anders als bei uns. Denn an manchen Tagen treffen sich die Klassen mit ihren Lehrkräften zu Ausflügen oder Klassenlehrerstunden, zu denen der Klassenlehrer eigens seine Klassen einlädt. So sind eigentlich nur die Schülerinnen und Schüler in Ferien, denn die Lehrkräfte müssen trotzdem arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler dürfen aber auch verreisen, denn für sie gibt es keine Anwesenheitspflicht während der Ferien. 
Das Mittagessen nahmen wir jeden Schultag in der schuleigenen Kantine ein, danach wurden wir mit einem spannenden und abwechslungsreichen Freizeitprogramm belohnt.
So waren wir am Montag im WDNH, das ist ein groß angelegter Park, in dem die 16 ehemaligen Republiken der Sowjetunion repräsentiert werden. Darin besuchten wir eine Anlage, in der wir coole Fotos in einem Zimmer der Riesen machen konnten, außerdem durften wir wählen, ob wir ins Spiegel-, Glas- oder Gruselkabinett wollten.
Am dritten Tag gingen wir in den Park Kolomenskoje, besuchten dort den Zarenpalast und erlebten am eigenen Leib eine Hochzeit nach alter russischer Tradition. Nachdem wir Sonja und Fedja erfolgreich vermählt hatten, durften wir Blinschiki mit Marmelade und Tee genießen.
Am Mittwoch besuchten wir den Moskauer Zoo und sahen dort viele in Russland heimische Tiere, die uns unbekannt waren, wie verschiedene Fuchs- und Wolfsarten auch exotische Tiere wie einen Panda, der dort auch den kalten russischen Winter erträgt, oder auch Kokodile, Alligatoren und Schlangen.
Tags darauf besichtigten wir den Park Zarizyno mit der Palastanlage, die Katharina die Große an diesem malerischen Fleckchen Natur mit einer kleinen natürlichen Seenlandschaft hatte errichten lassen. Natürlich beeindruckte uns der goldene Saal sehr. Vor allem aber hatten wir an diesem Nachmittag großen Spaß mit alten russischen Spielen, die wohl auch Katharina die Große gerne mit den ansässigen Bauern gespielt hatte. Auch wurde uns eine Quadrille beigebracht, die auch in den folgenden Tagen immer wieder zur Belustigung der ganzen Gruppe beitrug.
Natürlich hat man Moskau nicht gesehen, wenn man nicht im Kreml oder auf dem Roten Platz war. Am Samstag war es endlich soweit, im Kreml besuchten wir überdies den Diamantenschatz. Auf dem Roten Platz gab es ein Fest, leider wurden daher auch Zugangskontrollen eingerichtet, was uns einige Wartezeit bescherte, daher hatten wir für den Roten Platz selbst nicht mehr viel Zeit. Dafür durften wir noch einen imaginären Flug über Moskau erleben, wo wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von oben sehen konnten. Einiges erkannten wir schon wieder, denn wir hatten ja schon viel erlebt. Zu diesem Ausflug begleiteten uns auch einige Eltern der Austauschfamilien, welche ebenfalls an diesem Programmpunkt interessiert waren; das gab diesem Austausch eine besondere familiäre Note. Schließlich stehen bei jedem Austausch Familien im Vordergrund, welche bereit sind, Gäste aufzunehmen, sich um sie zu kümmern und in den teilweise beengten Wohnräumen Platz für sie zu schaffen. Endlich war dann auch Familientag, an dem jede Familie ein individuelles Programm gestalten konnte.
Schließlich besichtigten wir auch die moderne Skyline von Moskau, die seit der Jahrtausendwende zu einem weiteren Wahrzeichen Moskaus geworden ist. Vom 89. Stockwerk eines dieser Wolkenkratzer konnten wir auf ganz Moskau blicken.
Nun war es Zeit Abschied zu nehmen. Wir kamen noch einmal in der Schule zusammen, sahen uns Bilder vom vergangenen Austausch in Achern und vom aktuellen Aufenthalt in Moskau an. Wir haben nach der Tradition unserer Austauschschule miteinander gesungen und jeder hat jedem anderen Teilnehmer zum Abschied auf einer Karte gute Wünsche für die Zukunft hinterlassen. Dann war es Zeit nach Hause zu gehen, die Koffer zu packen, was auf Grund der vielen Souvenirs eine echte Herausforderung darstellte, und sich noch eine Mütze Schlaf zu gönnen, denn am letzten morgen hieß es dann ganz früh aufstehen, damit wir unseren Flug zurück nach Deutschland nicht verpassten.
Da svedanje - 2020 in Achern!

  • Russland01
  • Russland02
  • Russland03
  • Russland04
  • Russland05
  • Russland06
  • Russland07
  • Russland1

Simple Image Gallery Extended