Zeitzeugengespräch in der Mensa des Gymnasiums Achern für die 9.Klassen unserer Schule und der Heimschule Lender

Am 11.03.2016 organisierte die Geschichts-AG des Achener Gymnasiums ein Zeitzeugengespräch mit Herrn Hartwig Kluge aus Freiburg und Herrn Dr. Konrad Staiger aus Achern. Das Thema war die ehemalige deutsche demokratische Republik (DDR).

Nach einer kurzen Begrüßung vom Schulleiter Herrn Weih wies dieser im Hinblick auf das Leben der beiden Zeitzeugen in der DDR auf die Notwendigkeit der Freiheit jedes einzelnen hin und darauf, dass die Würde des Menschen grundsätzlich an erster Stelle stehen müsse. Herr Kluge und Herr Dr. Staiger haben hingegen in der DDR, der damaligen „Ostzone“, viel erleiden müssen.

Herr Kluge ist im Jahre 1947 in Halle/Saal geboren, wo er bis 1969 gelebt hat. Da ab 1961 Westdeutschland (BRD) und Ostdeutschland (DDR) abgeriegelt wurden, war seine Familie auseinandergerissen worden, jeder Bürger Ostdeutschlands erhielt ein eindeutiges Reiseverbot, es sei denn, man erhielt eine Bestätigung auf eine lang vorher geschickte Anfrage. Demonstrationen, die geführt werden wollten, mussten vorher bei der Polizei angemeldet und bestätigt werden. Die Mauer, die erst 1989 gefallen ist, war eine mörderische Grenzanlage; eine unüberwindliche Betonmauer mit Wachhunden und Selbstschussanlagen, Lampen waren überall entlang der Mauer zu sehen, sodass die Todeszone auch nachts taghell ausgeleuchtet war. Schwerbewaffnete Soldaten hatten eine gute Sicht auf die Flüchtlinge. Herr Kluge versuchte dennoch über Ungarn zu flüchten mit Hilfe von Freunden, aber da er während der Flucht in Ungarn an der Grenze zu Jugoslawien ertappt wurde, saß er 31 Tage lang als Dissident in einem Zuchthaus in der Hauptstadt. In Budapest durfte sich der sportbegeisterte junge Dissident nicht mal fit halten, Liegestützen wurden ihm untersagt. Er wurde an die STASI der DDR übergegeben und nach Halle in das Stasigefängnis „Roter Ochsen“ verlegt, das in der DDR für seine Methoden gefürchtet war. Die Staatssicherheit setzte Herrn Kluge in Untersuchungshaft fest, wo er 22-mal von Offizieren verhört wurde. Dabei wurde ihm ebenfalls angeboten, für die STASI zu arbeiten, was er jedoch ablehnte. Er bekam erst am letzten Abend vor seiner Freilassung Bescheid, dass er ab morgen den roten Ochsen verlassen kann.
1969 wurde Herr Kluge von der BRD „freigekauft“ und er durfte die DDR in Richtung BRD verlassen. Er zog nach Freiburg, die Sportstadt wurde ihm von seinen Freunden empfohlen.

 Herr Dr. Staiger erzählte mehr über das Alltagsleben in der DDR.
Zum Beispiel habe die DDR sehr viel in den Profisport investiert, dadurch aber die Amateure vernachlässigt. Die Farbfernseher, die gerade neu erschienen, waren sehr teuer. Ein Farbfernseher kostete in den 80er-Jahren etwa 3000 Ostmark (heute 1500Euro), ein Monatslohn war dagegen nur 700 Ostmark. Im Fernsehen wurde sehr viel Schlechtes über den Westen geredet. Außerdem waren die Autos sehr teuer, aber die konnte man sich schon leisten, da auch die Mieten sehr billig waren, doch belief sich die Lieferzeit eines „Trabbis“ auf etwa 18 Jahren, da musste man rechtzeitig bestellen. Gute Musik gab es auch, aber nur in begrenzter Auflage. Die Filme aus dem Westen kamen (illegal, d.h. heimlich) auch im Osten sehr gut an.

Wohnblöcke, so genannte „Plattenbauten“ wurden errichtet, aber in Altbauten wurde wenig bis nichts investiert. In den Wohnblöcken waren nicht regulierbare Heizkörper.
Aber trotz den Bedingungen sind nach einer aktuellen Umfrage im Osten 49% der ehemaligen Bürger mit der DDR zufrieden oder sehr zufrieden, so etwas nennt man dann wohl „Nostalgie“.

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