Am Montag, dem 3. April 2017 präsentierte der heute in Mannheim lebende und in Heidelberg studierende Daniel Golikov den Schülern der Geschichts-AG und der 8a des Gymnasium Acherns seine Erfahrungen als junger Jude in Deutschland.

Daniel Golikov wurde im März 1995 in Lemberg geboren und ist heute 22 Jahre alt. Lemberg liegt in der heutigen Ukraine, vor 1990 gehörte Lemberg noch zur Sowjetunion.

 

Daniels Eltern sind aber im israelischen Tel-Aviv geboren, von dort zogen sie in die Ukraine. Das ist ein gutes Beispiel für eine jüdische Familie, da 90% des Judentums russischen Migrationshintergrund besitzen. Seine Familie und er gehören den weniger strenggläubigen Juden an, dem sogenannten „Reformjudentum“. Im Gegensatz zu dieser Gruppe stehen die sehr strenggläubigen „orthodoxen“ Juden.

Aufgrund seines Geburtslandes lernte Daniel die russische Sprache schon als Kind. Als er zwei Jahre alt war, wanderte Daniels Familie nach Südafrika aus. Das Schulsystem dort war nicht ideal für ihn. Vier Jahre später, im Jahre 2001, zog die Familie Golikov zu Daniels Großeltern nach Freiburg im Breisgau, in ein Viertel, in dem auch heute noch viele Nationalitäten aufeinandertreffen. Aufgrund der großen Anzahl der Nationalitäten bot die nahegelegene Schule einen privaten Deutschkurs an, an dem Daniel teilnahm.

Der Antisemitismus (Judenfeindlichkeit) begann schon auf dem Pausenhof der Schule, als Daniel nicht mit den anderen Schülern Fußball spielen durfte, weil er jüdischen Glaubens war. Bei diesen Anfeindungen blieb es nicht nur bei Beschimpfungen, sondern sie gipfelten sogar in Schlägen. An dieser Schule nahm Daniel am jüdischen Religionsunterricht teil, wobei er diesen allerdings verließ, als er eine Auseinandersetzung mit einer Lehrkraft hatte. Er wechselte dann in den evangelischen Religionsunterricht und hatte so eine gute Möglichkeit, verschiedene Glaubensrichtungen kennenzulernen.

Um sich besser verteidigen zu können, trat Daniel in eine Karategruppe ein. In dieser Gruppe erlebte er endlich Gemeinschaft und Freundschaft untereinander und es gab ihm gegenüber keinerlei Ablehnung.

Nach dem Abitur lebte Daniel für kurze Zeit in einer jüdischen Kommune in Freiburg, in welcher er sich ebenfalls willkommen fühlte. Hier wurde alles geteilt, das Essen, die Kleidung und das Einkommen der Bewohner. Danach lebte er ein Jahr lang in Israel. Dort arbeitete er in einem Krankenhaus, als Beifahrer in einem Krankenwagen und hatte dort auch ein einprägsames Erlebnis in Bezug auf Religionsannäherung. Denn der Fahrer war ein Muslim, aber das wusste Daniel anfangs nicht. Nachdem sie sich beide besser kannten, fragte Daniel ihn, ob er Muslim sei. Sein Kollege bejahte es, aber es sei ihm nicht wichtig, wer welcher Religion angehört. Dieses tolerante Bekenntnis hatte Daniel sehr beeindruckt.

Zurzeit studiert Daniel Politikwissenschaften und jüdische Religion in Heidelberg. Zur Frage des Judentums erklärt er, dass dies eine Volkszugehörigkeit und keine Religion sei. Seine Heimat sieht er in Deutschland, denn hier ist er aufgewachsen und hatte auch schöne Erlebnisse.

Am Ende der Veranstaltung fand noch eine anregende Diskussion zwischen Daniel Golikov und den anwesenden SchülerInnen der achten und zehnten Klasse statt quer durch allen Themen, darunter Antisemitismus, Israel und seine Nachbarn, Religion und noch einige andere, die in der Kürze der Zeit leider nur angesprochen werden konnten. Trotzdem, und genau darum ging es, sollte eine erste Begegnung mit einem jungen jüdischen Mitbürger dazu dienen, die Religion und die Lebensweise einer Minderheit in Deutschland den SchülerInnen näherzubringen, um Vorurteile abzuwehren oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Von daher ein lernreicher und lohnenswerter Nachmittag für alle.

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