Wenn englischer Snobismus und amerikanische Lässigkeit und Pragmatik aufeinander stoßen, dann kommt eine explosive Mischung zustande. Die Theater-AG des Gymnasiums Achern spielte dies am Donnerstagabend mit ihrer Aufführung „Das Gespenst von Canterville“ auf der Theaterbühne in der Mensa bestens heraus. Ihr Spiel sprühte vor Temperament und Witz, die sich dann wieder in lässiger Coolness auflösten.

 

Auf Schloss Canterville spukt es schon seit über 300 Jahren, denn nachdem Lord Canterville seine Gattin Elenore ermordet hatte, ließ man ihn zur Strafe verhungern. Als Gespenst von Canterville geistert er seither durch das Schloss und hat schon so manchen zu Tode erschreckt. Das ändert sich jedoch, als Mr. Northstate (Julia Schmidt) mit seiner Frau Lucretia (Evelyn Krutsch), Sohn Washington (Yannick Lorenz), Tochter Virginia (Carina Valeeva) und mit den beiden Zwillingen Gorgie (Viliana Bailman) und Penny (Yaren Mermutluoglo) ins Schloss einzieht und dem Spuk mit amerikanischer Nüchternheit begegnet. Dies geht gleich zu Beginn so weit, dass Sohn Washington erwägt: „Vielleicht können wir das Gespenst zu regelmäßigen Auftritten mit Führungen bewegen und es zu 50 Prozent an den Einnahmen beteiligen.“

Dem großen Blutfleck auf dem Teppich, der noch von der ermordeten Lady Eleonore stammt, rücken „die Amis“ einfach mit einem radikalen Reinigungsmittel zu Leibe und in einer anderen Situation bietet Northstate dem Gespenst Öl an, um seine rostigen Ketten zu schmieren.  Die altehrwürdige, englische Haushälterin Mrs. Blackwood (Jasmin Schindler) kann bei so viel Coolness und Pragmatismus ein ums andere Mal nur verständnislos und verzweifelt mit ihrem Staubwedel herumfuchteln und aufschreien. Sie bildete mit ihrem authentischen Spiel ein sehr belebendes Element in dem Stück.

Das Gespenst (Maje Främke) zieht im Verlauf des Stücks zwar alle Register, aber es hat in den frechen Zwillingen Georgie und Penny lästige Gegner, die alles tun, um ihm auf die Spur zu kommen. Schließlich bringen sie das Schlossgespenst mit Stolperschnüren, einem selbstgebastelten Gegengespenst und mit ausgestreuten Erbsen zu Fall, und als ihm die Familie Northstate schließlich anbietet, nur noch zweimal im Monat zu spuken, ist es mit seinem Gespensterlatein am Ende. Was tun, wenn man sich als Gespenst überflüssig und verzweifelt fühlt?

Für die Erlösung sorgt schließlich Tochter Virginia Northstate. Sie unterbricht ihr Techtelmechtel mit Lord Alfred (Ewald Hess), der bei ihrem Vater um ihre Hand anhält. Sie bekommt Mitleid mit dem herumgeisternden Lord von Canterville, kann ihn zur Reue bringen und so kehrt schließlich Ruhe ein auf Canterville. Lady Eleonore übrigens, von Laura Baumgarten als Porträt in einem Bildrahmen gespielt, verfolgte mit feiner Pantomime das gesamte Spielgeschehen mit und kommentierte es durch ihre Grimmassen.

Satire, Burleske, Märchen, alles war drin in dem Stück, das der Meistererzählung von Oscar Wilde nachempfunden ist. Die engagierte Regisseurin Rosa Maria Gannuscio und die Schauspieltruppe des Gymnasiums hauchte ihm mit ihrem herzerfrischenden Spiel so richtig Leben ein und zur atmosphärischen Wirkung trug in authentischer Weise die Bühnenbild-AG unter Leitung von Margot Leins bei, die eine wirkungsvolle Schlossszenerie geschaffen hatte.

 

  • Theater17Gespens_001
  • Theater17Gespens_002
  • Theater17Gespens_003
  • Theater17Gespens_004
  • Theater17Gespens_005
  • Theater17Gespens_006
  • Theater17Gespens_007
  • Theater17Gespens_008
  • Theater17Gespens_009

Simple Image Gallery Extended