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| Berichte |
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| Lesung von Jugendbuchautor Günther Bentele für die Klassenstufe 8 |
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Warum stand im 14. Jahrhundert die Todesstrafe auf das Fälschen von Gewichten? Warum waren Gewürze wie Pfeffer und Nelken damals unendlich kostbar? Warum wurden Menschen, die von der Hand des Henkers berührt worden waren, quasi aus der Gesellschaft ausgestoßen? – Auf diese und viele andere Fragen gab es in der Lesung des Jugendbuchautors Günther Bentele am Gymnasium Achern Antworten. Bentele, der bereits acht Jugendbücher sowie zahlreiche wissenschaftliche Werke, insbesondere zu Geschichte und Architektur seiner Heimatstadt Bietigheim-Bissingen veröffentlicht hat, las aus seinem Roman „Schwarzer Valentinstag“. Ebenso wie die anderen Romane Benteles, etwa „Wolfsjahre“, für den der Autor 1998 den Friedrich-Gerstäcker-Preis der Stadt Braunschweig erhielt und der im Dreißigjährigen Krieg spielt, oder „Die zwei Leben der Isolde G.“, Geschichte eines jüdischen Mädchens in Nazi-Deutschland, ist auch „Schwarzer Valentinstag“ ein Buch, das einen spannenden Plot mit wahren historischen Ereignissen kombiniert. In dem als „Kriminalfall aus dem Mittelalter“ betitelten Roman geht es um einen jugendlichen Helden des Jahres 1347, der die Unschuld seines an den Folgen der Folter gestorbenen Vaters zu beweisen versucht. Hilfe findet er bei einer jüdischen Familie in Straßburg und erlebt dort aus nächster Nähe die Verfolgung und Ermordung der Juden mit, welche beschuldigt werden, die Brunnen vergiftet und damit die Pestseuche über die Christen gebracht zu haben.
Die zugrunde liegenden geschichtlichen Fakten hat der Historiker Günther Bentele genauestens recherchiert. So finden sowohl die fürchterliche Ausbreitung des „Schwarzen Todes“ über Europa als auch das grausame Pogrom, bei dem am Valentinstag des Jahres 1348 ein Großteil der jüdischen Bewohner Straßburgs auf einem Holzgerüst auf dem Friedhof verbrannt wurden, eine eindrückliche Darstellung in seinem Roman. Die Entstehung und Ursachen der Judenverfolgung werden dabei genauso deutlich beschrieben wie die egoistischen und materiellen Motive derjenigen, welche die Todesangst der Menschen für eine Suche nach dem „Sündenbock“ missbrauchen.
Der Autor las den Schülern des Gymnasiums Achern mehrere Stellen aus dem Buch vor und unterbrach auch, um seinen jungen Zuhörern etwa die Vorgehensweise der mittelalterlichen Folterknechte zu erklären oder warum es mit dem römischen Zahlensystem damals selbst einem reichen und gebildeten Jungen schwerfallen musste, Zahlen im Hunderterbereich zu rechnen. Bentele beeindruckte sein Publikum nicht nur durch sein immenses historisches Wissen, sondern auch durch die Fähigkeit, dieses den Schülern verständlich und interessant, auch durch direkte Nachfragen an seine Zuhörer zu vermitteln. Hier konnte man sicherlich den ehemaligen Pädagogen erkennen, denn Günther Bentele, inzwischen im Ruhestand, ist selbst Gymnasiallehrer gewesen mit den Fächern Deutsch, Geschichte, Ethik und Philosophie.
Er stellte sich daher auch uneingeschränkt den zahlreichen Fragen der Schüler, die nun die Arbeit eines Autors von der ersten Idee bis hin zur Veröffentlichung eines Buches kennenlernen konnten. Ungefähr ein Jahr brauche er, um einen Roman zu schreiben, besonders schwierig gestalte sich für einen Autor die Suche nach einem Verlag. Auch auf persönliche Fragen gab Bentele Antwort und nannte so, gefragt nach seinem Lieblingsbuch, neben Werken, die den Jugendlichen noch nicht viel sagen konnten, als Jugendbuch Otfried Preußlers „Krabat“, was ein Raunen der Wiedererkennung im Saal hervorrief, denn einige Klassen hatten das Werk bereits im Unterricht behandelt.
Die Schüler zeigten sich in der Lesung sehr interessiert und neugierig. Einige von ihnen werden vielleicht in Zukunft historische Romane anders lesen. Allein die Rechercheleistung, die ein guter Autor hier zu erbringen hat, ist in der Lesung Günther Benteles sehr eindrücklich zur Geltung gekommen.
Günther Bentele, Schwarzer Valentinstag. Ein Kriminalfall aus dem Mittelalter, cbj, 8€.
Bericht und Fotos: M. Wittner
Datum: 11.12.2009 eingetragen am: 12.01.2010 |
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