Improvisation kennt keine Grenzen: Deutsche, französische und irische Schüler begeistern auf der Bühne


In einem Pub der irischen Stadt Cork zündete vor ein paar Jahren die Idee zu einem einzigartigen Improvisationstheater mit deutschen und französischen Schülern und zwei irischen Schauspielern. Das Gymnasium Achern führt seit mehreren Jahren mit dem Regina Mundi College in der irischen Stadt Cork jährlich einen Schüleraustausch durch und im Rahmen dieses Austauschs machte Michael Staak die Bekanntschaft mit den irischen Schauspielern Cathal Carroll und Micheál Roche. Sie erzählten von ihren Theaterprojekten und schon war die Idee geboren, am Gymnasium Achern mit Oberstufenschülern einen Workshop Improvisationstheater durchzuführen. Und da Staaks Frau Cecile Penot am Lycée René Cassin in Straßburg unterrichtet, lag die Überlegung nahe: Wir könnten doch noch französische Schüler dazunehmen.

Vergangene Woche waren Cathal Carroll und Micheál Roche wieder da, je zwölf Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen nahmen an dem Workshop teil, die französischen Gäste waren über die Woche hinweg bei deutschen Gastfamilien untergebracht. Eine Woche lang trainierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schauspieltechniken für Improvisationstheater und für die Vorstellung am Freitag. In keiner Weise ging es darum, Texte von Shakespeare, Molière oder Goethe einzustudieren und zu rezitieren, sondern darum, auf der Bühne spontan umzusetzen, was das Publikum an Ideen zuruft.

Am Freitagmorgen stellten sich die Aktricen und Akteure im Pavillon des Gymnasiums dem Schülerpublikum und mimten auf Zuruf verärgerte Personen, friedvolle Leute, brasilianische Fußballfans und andere Personengruppen, formten pantomimisch eine Brücke und eine Autofahrt und stellten den Start eines Raumschiffs dar. Herzlich gelacht wurde bei der Vorführung: Entschuldigung einer Schülerin für ihr Zuspätkommen zum Unterricht. Grund war: Ein Drachen hatte ihr auf dem Weg zur Schule sowohl ihren Burger als auch das Fahrrad geklaut und war damit weggefahren. Die Schülerin, die sich zu entschuldigen hatte, kannte diese Entschuldigung aber nicht, sondern eine Gruppe der anderen Teilnehmer spielte ihr pantomimisch vor, was sie der Lehrerin als Entschuldigung sagen sollte. Mit einer Fülle von dramatischen und komischen Gesten geschah dies. In einer weiteren Improvisation interviewte Tokessa Sieg ihren Mitschüler Oguzham Bilir als Experten für das Fußballspiel von Giraffen, stellte ulkige Fragen und aus dem Publikum kam die Frage, wie man denn das mit den Trikots für die Giraffen hinbekomme. Theatersprache war, wenn nicht pantomimisch gespielt wurde, immer Englisch und fehlte mal eine englische Vokabel, wurde sie direkt aus dem Publikum oder von den beiden irischen Schauspielern geliefert.

„Die Woche war einfach klasse, alle hatten riesigen Spaß und waren mit Leib und Seele   dabei“, äußerten Tokessa Sieg und Oguzhan Bilir. „Merveilleux, bonne experience“, äußerten die Französinnen Aicha, Salematov und Kachialja, was sich mit „wunderbar, tolle Erfahrung“ übersetzten lässt. „Das war das beste Projekt, was ich bisher gemacht habe“, zog ´der irische Schauspieler Cathal Carroll als Resumee.